"Viele meiner Patient*innen haben über Jahre maskiert. Wir geben dir einen sicheren Rahmen, in dem du dein Erleben zeigen kannst – in einem Tempo, das dir gut tut."
Ein komplexes Phänomen - keine Krankheit
Autismus ist eine neurobiologische Normvariante. Viele Belastungen entstehen aus mangelnder Passung: Eine Welt, die sich an der neurotypischen Mehrheit orientiert, trifft auf autistische Merkmale und Bedürfnisse.
Autistisches Sein ist vielfältig. Oder: Kennst du eine*n Autist*in, kennst du eine*n Autist*en. Häufig beschrieben werden Phänomene in den Bereichen:
Entscheidend ist, wie diese Phänomene in deinem Alltag wirken – im sozialen Miteinander und in Situationen, die dir wichtig sind. Wie leicht oder schwer dir das Leben fällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Eine Aussage trifft jedoch immer zu: Als Autist*in in unserer Welt zu leben kostet viel Kraft - manchmal mehr, als zur Verfügung steht.
Viele Autist*innen haben gelernt, sich anzupassen und ihre autistischen Bedürfnisse und Verhaltensweisen zu verstecken: Sie maskieren. Das kostet Kraft und kann den Zugang zum eigenen Sein verschleiern. Darüber zu sprechen, wie du dein autistisches Sein erlebst, kann dir zunächst schwerfallen. Wenn die Welt dir das Gefühl vermittelt hat, falsch zu sein, kann das schambehaftet sein.
Wir bieten dir einen sicheren und wertschätzenden Rahmen, um beides auszudrücken: das, was bereits sichtbar ist, und das, was du vielleicht noch versteckst. Durch achtsames Nachfragen unterstützen wir dich dabei, dein autistisches Sein zu entdecken. In einem Tempo, das dir guttut.
Autistisches Sein hat viele Erscheinungsformen. So zeigt es sich bei Frauen und non-binären Personen häufig anders als bei vielen Männern.
Historisch wurden diagnostische Instrumente vor allem anhand der Beobachtung und Beschreibung männlicher Autisten entwickelt. Dadurch hält sich bis heute hartnäckig ein "männliches" Bild vom autistischen Sein. Davon abweichende Erscheinungsformen, zum Beispiel bei Frauen und nicht‑binären Personen, werden entsprechend häufig nicht erkannt.
Wir arbeiten bewusst geschlechts- und gender-sensibel: Wir hören genau hin, passen unsere Fragen an dich an und haben einen offenen Blick für autistische Profile, die nicht in alte Wahrnehmungsraster passen – damit du dich gesehen und verstanden fühlst.
Das heißt konkret: Wir sind offen für ungewohnte Muster, fragen nach Beispielen aus deinem Leben und benennen gemeinsam, wenn Formulierungen oder Fragen nicht zu dir passen. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe fühlt sich gut an - und macht die diagnostische Einschätzung valider.
Manche Autist*innen beschäftigen sich über Jahre intensiv damit, wie Menschen ticken und wie Beziehungen funktionieren – bis hin zu einem Studium der Psychologie oder der Tätigkeit in sozialen Berufen. Dieses Wissen ist wertvoll: Es schafft Sprache, Überblick und oft auch Mitgefühl für zwischenmenschliche Dynamiken.
Gleichzeitig kann der gelebte Alltag herausfordernd bleiben – etwa, wenn nonverbale Signale überfordern, Gespräche unerwartet kippen oder soziale Situationen sehr viel Energie kosten. Entscheidend ist, wie du Situationen im Alltag gestaltest und erlebst – nicht, was sich theoretisch gut erklären lässt.
Das Wissen darum, wie Menschen ticken und Beziehungen funktionieren, kann vorhandene Schwierigkeiten in Alltagssituationen überdecken. Für die diagnostische Einschätzung bedeutet das: Wir erfragen explizit auch, wie du Situationen erlebst, was du (innerlich) dafür tust, damit sie dir gelingen und wie viel Kraft dich das kostet.
Ein differenziertes Antwortverhalten in der Diagnostik kann den Eindruck erwecken, es bestünden keine Schwierigkeiten – dabei spiegelt es unter Umständen vor allem das erworbene Wissen wider. Darum fragen wir nach konkreten Alltagssituationen: Wie bereitest du dich auf Treffen vor? Was hilft dir in Gruppengesprächen? Wo wird es anstrengend für dich und woran merkst du das? Dieses Vorgehen hilft sichtbar zu machen, wie du Situationen tatsächlich erlebst und verarbeitest.
Autismus kann gemeinsam mit ADHS oder Hochbegabung auftreten. Es kann Überlappungen im Verhalten und Erleben geben: Manchmal verstärken sich Phänomene gegenseitig, manchmal kompensieren sie sich gegenseitig.
Eine verlässliche Einordnung braucht Erfahrung in allen drei Bereichen und einen Blick für mögliche Interaktionen. Diese Erfahrung haben wir und können dir zum Abschluss der Diagnostik eine Einschätzung geben, die dir und deinem Profil gerecht wird.
Eine Diagnose kann helfen...
Mehr Selbstverständnis. Bewusstere Entscheidungen im Alltag und Beruf. Zugang zu passender Unterstützung.
Zusätzlich eröffnet eine Diagnose oft konkrete Möglichkeiten – etwa Nachteilsausgleiche in Ausbildung oder Studium sowie eine formale Einschätzung per Befundbericht, die du gegenüber Einrichtungen nutzen kannst. Sie kann zudem der Startpunkt sein, dein autistisches Sein besser zu verstehen und dein Umfeld bewusst so zu gestalten, dass es besser zu dir passt und du es leichter hast.
Hier findest du kurze und klare Antworten.
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